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Block5 : Once upon a time there were bankers...

Talk: An exciting future: the new Capitalism
Westerkerk, Zaterdag 7 april, 2018
10:00-10:45 h
Leonhard Fischer (confirmed)
Great Discussions
10:45-11:30 h
Leonhard Fischer (confirmed), Raoul Martinez & Ewald Engelen (confirmed) Gemodereerd door Boudewijn Richel (confirmed)
Q&A met de publiek
11:30-11:45 h
Leonhard Fischer, Raoul Martinez & Ewald Engelen (confirmed)
met Munda van Langen

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Banker warnt vor Crash
"Ein von Algorithmen gesteuertes Finanzsystem zerstört sich selbst"
Der Banker und Vermögensverwalter Leonhard Fischer hat den Glauben an den Finanzkapitalismus verloren. Warum?

Leonhard Fischer, 54, polarisiert: Die einen halten ihn für einen Blender, die anderen sehen in ihm einen genialen Banker und Denker. Sicher ist auf jeden Fall: Kein Zweiter stieg in Deutschland so jung zum Bankenstar auf wie er. Mit 35 wurde er Vorstand bei der Dresdner Bank, später führte, sanierte und verkaufte er die Versicherungsgruppe Winterthur. Sein Versuch, mit dem Finanzinvestor RHJI rund um die BHF-Bank eine europäische Privatbankengruppe aufzubauen, endete 2016 mit dem Verkauf an den französischen Bankier Philippe Oddo. Jetzt plant Fischer mit Ex-"Bild"-Chef Kai Diekmann eine digitale Vermögensverwaltung und hat ein Buch über den Niedergang des Finanzsystems geschrieben. Titel: "Es waren einmal Banker".

SPIEGEL: Herr Fischer, Sie erklären in Ihrem Buch den modernen Finanzkapitalismus für gescheitert. Eine erstaunliche Aussage für einen Investmentbanker, der bis vor Kurzem in diesem System mitgewirkt hat.

Fischer: In den Neunzigern haben wir Banker uns an der Idee begeistert, globale Finanzmärkte zu schaffen, dadurch die Risiken - etwa von Immobilienkrediten oder Anleihen - breit zu streuen und sie über Computeralgorithmen zu kontrollieren. Darauf sollte eine Ära globalen Wachstums gründen. Der Fehler war, dass wir den Algorithmen zu sehr vertrauten, deshalb ist uns das Bankensystem 2008 um die Ohren geflogen. Erstaunlich ist, dass die USA dafür gesorgt haben, dass das System im Grunde nach ihren Regeln weiterläuft.

SPIEGEL: Welche Regeln meinen Sie?

Fischer: Die Globalisierung der Finanzmärkte besteht im Wesentlichen darin, dass die Amerikaner sich in ihrer eigenen Währung verschulden können und den Dollar so in die ganze Welt exportiert haben, um ihr riesiges Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren. Ich habe als junger Banker bei J.P. Morgan selbst erlebt, wie die Investmentbanker in Scharen erst nach London flogen, dann nach Tokio und schließlich nach China, um Dollaranleihen für Schuldner aus den USA zu platzieren. Gleichzeitig investierten wir das Geld amerikanischer Fonds weltweit in Unternehmen und Immobilien. Ganz Amerika hat sich wie ein gigantischer Hedgefonds verhalten. So entstand die globale Finanzmarktmaschinerie, die in Wahrheit vor allem eine amerikanische ist.

SPIEGEL: Die Finanzkrise hat dieses System beinahe implodieren lassen. Warum dreht sich das Rad bis heute weiter?

Fischer: Die Alternative wäre eine schwere Anpassungskrise mit Banken-, Firmen- und Staatspleiten gewesen. Diesen Preis waren und sind wir bis heute nicht bereit zu zahlen, weshalb die Zentralbanken in Amerika, Europa und Japan die Zinsen auf null und sogar darunter senkten. Wir haben uns für eine fortgesetzte Rettung entschieden und so das Verschuldungsproblem in der Welt noch schlimmer gemacht.

SPIEGEL: Immerhin haben die Notenbanken erreicht, dass die Wirtschaft in Amerika und Europa wieder wächst, in Asien sowieso. Wo ist das Problem?

Fischer: Es gibt eine Inflation der Aktien-, Immobilien- und Rohstoffpreise. Diese Sachwerteinflation wird früher oder später in echter Inflation münden. Und das Gefährliche ist, dass gleichzeitig die Schulden schneller wachsen als die Wirtschaft.

SPIEGEL: Was könnte eine neue Krise auslösen?

Fischer: Ich sehe drei mögliche Auslöser: Erstens: Die Eurozone löst sich auf. Im Moment gleicht die Krise hier einer chronischen Erkrankung in einer stabilen Phase. Aber wehe, der nächste Fieberschub kommt, solange Deutschland führungslos ist und sich in der Eurofrage für keine klare Richtung entscheidet. Zweitens: China bekommt ein Problem mit seinen extrem hohen Inlandsschulden, eine Gefahr, die unterschätzt wird. Drittens: Linke Regierungen greifen die bestehenden Verhältnisse an. Ich nenne das mal das Corbyn-Phänomen.

SPIEGEL: Nach dem britischen Oppositionsführer Jeremy Corbyn. Im Moment erleben wir aber eher den Aufstieg rechter Populisten.

Fischer: Die Ursachen für den Erfolg von Rechtspopulisten und Linken sind ähnlich. Wir leben in einem System, in dem die Finanzspekulation eine viel zu hohe Bedeutung hat und leider nur die obersten fünf Prozent von der Sachwerteinflation profitieren. Die Mittelschicht hingegen kommt nicht mehr richtig vom Fleck oder hat real sogar weniger Geld zur Verfügung. Zum Beispiel treten heute viele Studienabgänger in den USA wegen der dramatisch gestiegenen Ausbildungskosten mit hohen Schulden in das Berufsleben ein. Sie haben es schwer, aus ihrer Lage herauszukommen, und so sieht heute die Mehrheit der jungen Amerikaner den Kapitalismus kritisch.

SPIEGEL: Wie müsste ein Finanzsystem aussehen, das der globalisierten Welt gerecht wird und der von Ihnen beschriebenen Spaltung entgegenwirkt?

Fischer: Eines ist klar: Der freie Markt allein ist kein funktionierender Steuerungsmechanismus für das Finanzsystem, weil wir Pleiten großer Banken weiterhin nicht zulassen werden. Wenn es nur noch ein Bankenoligopol oder fünf Fondsmanager auf der Welt gibt, dann funktioniert Adam Smiths unsichtbare Hand des Marktes nicht mehr.

SPIEGEL: Sollte man Banken zerschlagen?

Fischer: Vielleicht kommen wir irgendwann an den Punkt. Meine Empfehlung wäre, mehr Vielfalt ins Finanzsystem zu bringen. Im Moment treibt uns die Digitalisierung aber in die entgegengesetzte Richtung, zu immer größeren Plattformen, die alles aufsaugen. Alibaba-Gründer Jack Ma hat kürzlich gesagt, die Planwirtschaft habe eine Zukunftsperspektive, weil digitale Algorithmen und künstliche Intelligenz jene unsichtbare Hand des Marktes entschlüsseln, die Angebot und Nachfrage über den Preis zusammenbringt.

SPIEGEL: Sie meinen, wenn alle Verbraucher und Firmen an Plattformen hängen und ihre Konsumwünsche offenlegen, kann eine zentrale Instanz diese Bedürfnisse bedienen und die Produktion entsprechend steuern?

Fischer: Das wäre theoretisch vorstellbar. Aber wenn es so wäre, brauchte man auch die Finanzmärkte heutiger Prägung nicht mehr. Weil dann auch die Finanzierung automatisch auf Basis der Algorithmen erfolgen könnte. Ich bezweifle aber, dass das funktionieren würde.

SPIEGEL: Warum? In vielen Industrien haben Algorithmen enorme Fortschritte ermöglicht.

Fischer: Wenn man ganz London mit selbstfahrenden Autos ausstatten und den Verkehr über eine Plattform steuern würde, dann stiftet das einen gesellschaftlichen Nutzen. Aber da steuert man Maschinen. Das Verhalten von Milliarden Menschen an den Finanz- und Gütermärkten kann man so nicht erfassen und steuern. Weil die Menschen ihr Verhalten unvorhergesehen ändern. Mehr noch: Ein von Algorithmen gesteuertes Finanzsystem zerstört sich selbst.

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